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Schimmelpilze und andere biogene Innenraum - Allergene

Dipl.-Ing. Michael Obeloer VDI, Korschenbroich
Dr. med. Dipl.-Chem. Herbert Lichtnecker, Erkrath

Der nachfolgende Beitrag wurde im November 2000 im VDI-Jahrbuch 2000/2001 veröffentlicht

1 Einleitung

Seit Anfang der 80er Jahre wird die gesundheitliche Belastung aus Innenraum-Quellen in der Öffentlichkeit verstärkt geführt. Während sich dabei der Diskussionsschwerpunkt zunächst auf chemische Schadstoffe erstreckte, gewannen die biologischen Einflussfaktoren im Laufe der Jahre ab ca. 1990 zunehmende Bedeutung. Insbesondere die Ursachenforschung für das verstärkte Auftreten von Allergien hat die Bedeutung der im Innenraum vorherrschenden Allergenquellen erkennen lassen. Die allergischen Erkrankungen stellen mittlerweile in den Industriestaaten eine Volkskrankheit dar. Zirka 10% der 9-11jährigen Schulkinder haben ein Asthma, über 40% weisen eine allergische Disposition auf. Knapp ein Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung klagt über eine Allergie, beinahe bei jedem fünften (18%) ist eine krankhafte Überempfindlichkeit durch einen klinischen Test festgestellt worden /1/. Epidemiologische Betrachtungen zeigen, dass die Allergien auch weiter zunehmen. Die Ursachen für die Entstehung der Allergie sind - neben genetischer Disposition und nichtspezifischen Faktoren (z.B. Passivrauchen, Infektionen) auf den Kontakt mit Allergenen zurückzuführen, die in den meisten Fällen biogenen Ursprungs sind /2/. Frühzeitiger Allergenkarenz und Expositionsprophylaxe kommt deshalb eine zentrale Bedeutung zu. Da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Allgemeinbevölkerung in Innenräumen bei meist über 90% liegt, kommt dabei der intramuralen Allergenvermeidung zentrale Bedeutung zu. Das starke Wirkungsprofil biogener Allergene macht eine kritische Betrachtung für diese besonders notwendig.

2 Schimmelpilze

2.1 Gründe für das Auftreten von Schimmel in Wohnräumen

Im Zuge einer ständigen Verschärfung der Wärmeschutzverordnung über die letzten 30 Jahre ist die Bautendichtigkeit ständig gestiegen. Während bei alten Fenstern der 50er und 60er Jahre eine Dauerlüftung durch Undichtigkeiten gegeben war, schließen Fenster nach heutigem Standard nahezu absolut dicht. Auch sonstige Undichtigkeiten des Gebäudes werden seit ca. 4 Jahren mit immer weiter verbesserten Verfahren zur Gebäudeprüfung ermittelt. So setzt das  sogenannte Blower-Door-Verfahren einzelne Räume oder den ganzen Baukörper durch Verwendung eines in eine Türöffnung dicht eingebauten großen Ventilators unter definierten Überdruck. Mittels Rauchprüfröhrchen und anemometrischen Messgeräten werden dann Undichtigkeiten der Gebäudehülle zuverlässig aufgespürt.

Das Lüftungsverhalten der Raumbewohner hat sich aber diesen neuen Gegebenheiten der Baukonstruktion nicht genügend angepasst, so dass niedrige Luftwechselzahlen von 0,2 bis 0,4 Luftwechseln pro Stunde in der Mehrzahl der Wohnungen Realität sind. Neben einer Konzentrationserhöhung flüchtiger organischer Verbindungen in der Raumluft führt ein ungenügendes Lüftungsverhalten aber auch zu einer verminderten Abfuhr der Feuchtemengen, die aus verschiedenen Quellen zwangsläufig in die Raumluft gelangen.

Neben Lüftungsschäden sind häufig bauliche Mängel verantwortlich für eine Schimmelbildung. Als typische gebäudebedingte Ursache für die Entstehung von Feuchte muss in Neubauten eine ungenügende Bautrocknung vor Bezug angesehen werden. Daneben sind konstruktive Bau- oder Ausführungsmängel wesentliche Gründe für das Auftreten von Feuchtigkeit. Häufig handelt es sich hierbei um sogenannte Wärmebrücken, also Stellen lokal erniedrigter Temperatur, wo es durch Tauwasserausfall zu Schäden kommt.

Der Ermittlung von Feuchtequellen kommt bei der Lokalisierung eines Schimmelschadens deshalb besondere Bedeutung zu. Durch ein zielgerichtetes Vorgehen mit entsprechenden Messgeräten können feuchte Stellen, die sich nicht mit bloßem Auge erkennen lassen, ermittelt werden. Dazu eignen sich spezielle Thermometer, thermografische Verfahren und Baufeuchte - Messgeräte.

2.2 Grundlagen für das Wachstum von Schimmelpilzen in Innenräumen

Schimmelpilze sind allgegenwärtig verbreitet. Sie wachsen meist in einem feuchtwarmen Klima mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70-95%  und in einem Temperaturbereich von 20-45° Celsius.

In der Außenluft können Schimmelpilzsporen zu jeder Jahreszeit nachgewiesen werden. Dies trifft auch für die Luft in Innenräumen zu, ohne dass darin eine Pilzquelle vorhanden sein muss. Pilzsporen sind in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gegenden mit Getreideanbau besonders zahlreich in der Luft vertreten. Die Pilzsporenkonzentration besitzt eine jahreszeitliche Schwankung. So lassen sich in der Außenluft in Deutschland in der Zeit zwischen Juli und September die höchsten Sporenkonzentrationen ermitteln. In den Monaten März und April werden hingegen die geringsten Konzentrationen gemessen /3/. Bei den intramuralen Sporenkonzentrationen finden sich die höchsten Messwerte in den Monaten Januar und Februar /4/.

Wenn im Innenraum keine relevante Schimmelpilzquelle vorliegt, unterscheiden sich die Sporenkonzentrationen und die Schimmelpilzgattungen in der Raumluft nicht wesentlich von denen der Außenluft.

Das Wachstum von Schimmelpilzen ist besonders in Innenräumen an bestimmte ökologische Bedingungen geknüpft. Nur wenn alle im folgenden aufgeführten Faktoren zusammenkommen und über einen längeren Zeitraum wirksam sind, können sich die in der Luft vorhandenen Pilzsporen an einer zum Wachstum geeigneten Stelle auf der Bausubstanz absetzen und einen Pilzbewuchs verursachen:

  1. Es muss eine geeignete Raum- und Oberflächentemperatur herrschen, die in Abhängigkeit von der Pilzspezies in der Regel zwischen 15 und 40° Celsius liegt
  2. Der Untergrund, auf dem der Schimmelpilz wächst, muss einen bestimmten pH-Wert besitzen. Für die meisten Schimmelpilze liegt dieser im leicht sauren Bereich. Bei der üblichen Bauausführung befindet sich der pH-Wert an Oberflächen in Innenräumen in diesem Bereich.
  3. Schimmelpilze als Saprophyten benötigen eine geeignete Nahrungsgrundlage in Form von organischem Material. Allerdings begnügen sich die Pilze dabei bereits mit wenig Substrat. Anorganische, mineralische Stoffe (z. B. Fliesen, Zement, Zementputz und Glas) sind als Nahrungs- beziehungsweise Energiequelle für Schimmelpilze nicht geeignet und werden folglich auch nicht bewachsen.
  4. Ausreichende Feuchtigkeit ist eine elementare Voraussetzung für das Schimmelpilzwachstum. Hierbei ist vor allem der Feuchtewert des Untergrunds von Bedeutung. Dieser muss für ein Pilzwachstum im Vergleich zur trockenen Baumasse im deutlich erhöhten Bereich liegen. Je nach Pilzspezies ist für ein optimales Wachstum eine definierte Feuchte notwendig, die als Wasserverfügbarkeitswert (aW-Wert) bezeichnet wird. Der aW-Wert beschreibt die Luftfeuchte, die sich unmittelbar über der zu untersuchenden Fläche (Untergrund) als Ausgleichsluftfeuchte ausbildet. Diese Feuchte unterscheidet sich von der Raumluftfeuchtigkeit, die im gesamten Raum vorherrscht und sollte nicht mit dieser verwechselt werden.

Für die Keimung, das Wachstum und die Sporenbildung von Schimmelpilzen sind individuell verschiedene Wasserverfügbarkeitswerte des Substrats nötig. Minimale aW-Werte von etwa 70% sind zur Keimung oft noch gerade ausreichend, während nach der Keimung der Wasserverfügbarkeitswert auf etwa 65% absinken kann, ohne dass das Wachstum wesentlich beeinträchtigt wird. Eine Ausbildung von Konidienträgern (Sporenbildung) erfolgt in der Regel erst ab aW-Werten von > 75%. Bei aW-Werten von über 95% ist in der Regel kein Wachstum mehr möglich /5/.

Infolge der geringen Größe und des geringen Gewichts halten sich Sporen bis zu mehreren Stunden in der Schwebe und werden durch Luftströmungen vertragen, bis sie ein geeignetes Wachstumssubstrat finden.

Pilze sind als äußerst komplexe Allergenquellen anzusehen. Die luftgängigen Sporen der Schimmelpilze tragen die relevanten Mengen an einatembaren Allergenen des Mikroorganismus. In Pilzextrakten finden sich eine Vielzahl von IgE-bindenden Molekülen. Die meisten allergologisch relevanten Schimmelpilze sind immunologisch bereits charakterisiert. Damit ist das Hauptallergen bekannt und einer immunologischen Bestimmung (zum Beispiel RAST) zugänglich /6/. Hinsichtlich ihres Vorkommens in Innenräumen und bezüglich der sensibilisierenden Potenz sind vor allem Aspergillus, Penicillium, Alternaria, Cladosporium und Mucor Spezies hervorzuheben. Neben dem unterschiedlichen inhalativen Sensibilisierungspotential von Schimmelpilzen haben Allergenmenge und Einwirkdauer maßgebliche Bedeutung für die Entstehung einer Allergie. Als weitere Faktoren spielen genetisch bestimmte oder erworbene Empfindlichkeitsstörungen, vor allem des Atemtrakts, eine Rolle. Die Aufrechterhaltung einer einmal erworbenen Sensibilisierung und Allergie wird durch das ubiquitäre Vorkommen der Pilze begünstigt.

Schimmelpilzallergiker zeigen häufig eine mehrfache Sensibilisierung /7/. Klinisch kann sich die Schimmelpilzallergie als Rhinokonjunktivitis (Absonderungen der Schleimhäute) oder Asthma darstellen. Begleitende Symptome der Haut, wie bei der inhalativen Pollenallergie, sind nicht einheitlich beschrieben, aber aufgrund der immunologischen Reaktionsform der Schimmelpilze prinzipiell möglich. Bei hoher und häufiger Allergenexposition gegenüber Schimmelpilzen kann eine exogen-allergische Alveolitis auftreten.

2.3 Vorgehen bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Wenn in Innenräumen die Bewohner charakteristische Beschwerden aufweisen und ein sichtbarer Schimmelpilzbewuchs vorhanden ist (in über 90% der Fälle ist der Schimmelpilzbefall sichtbar) oder aufgrund des typischen Geruchs ein mikrobieller Befall nahe liegt, so sind geeignete Maßnahmen zur Entfernung der Expositionsquelle zu ergreifen. Stellt sich danach eine deutliche Beschwerdebesserung bei dem Patienten ein, bedarf es in der Regel keiner weiteren Probennahmen oder Messungen.

Eine Keimzahlbestimmung in der Raumluft ist dann indiziert, wenn sich bei fehlendem Schimmelbewuchs aufgrund der baulichen Gegebenheiten und des Beschwerdebildes bei den Bewohnern ein begründeter Verdacht auf eine Schimmelpilzsporenquelle ergibt. Neben einer Bestimmung der Sporenkonzentration in der Raumluft können dann an auffälligen Punkten Material- beziehungsweise Abstrichproben genommen werden.

Als Sammelmethoden für die Luftkeimzahlbestimmung stehen von der Sporenfalle (Petrischale mit Sammelmedium) bis zum Impaktor mehrere Verfahren zur Verfügung. Unabhängig von der jeweiligen Sammelmethode ist für die Bewertung der Untersuchungsergebnisse unbedingt eine zusätzliche Beprobung der Außenluft erforderlich .

Der Einsatz eines kommerziellen Spürhunds um einen Schimmelpilzbefall zu finden ist stark umstritten.

2.4 Nachweisverfahren

2.4.1 Sporenfallen

Ein sehr einfaches Nachweisverfahren ist das Aufstellen von "Sporenfallen" in Räumen. Der Ausdruck suggeriert ein technisches Gerät, aber es handelt sich lediglich um in der Mikrobiologie gebräuchliche Petrischalen mit geeigneten Nährböden. Diese liefern den in der Raumluft vorhandenen Sporen eine geeignete Grundlage zum Wachstum. Die Schalen werden über eine oder mehrere Stunden im Raum aufgestellt und die Pilzsporen sedimentieren dort aus der Luft. Ein Rückschluss auf die wirklich vorhandene Sporenmenge ist damit aber nur sehr unzureichend möglich. Das Verfahren kann bestenfalls als semiquantitativ angesehen werden. Leichtere Sporen - vor allem die kritischen Aspergillussporen - sedimentieren aufgrund ihres geringen Gewichtes weniger als diejenigen größerer Abmessungen. Die Aussagekraft solcher Tests ist deshalb gering und nur mit starken Einschränkungen möglich.

2.4.2 Sporenkonzentrationsmessungen

Analytische Verfahren, wie Sporenkonzentrationsmessungen, sind im Zuge einer Untersuchung von Wohninnenräumen zur Quantifizierung einer Exposition geeignet und nur dann anzuwenden, wenn offene Befallstellen nicht ermittelt werden können. Bei den Sporenkonzentrationsbestimmungen als quantifizierendes Verfahren wird die Menge der Schimmelpilzsporen in der Raumluft ermittelt, indem mit geeigneten Geräten ein definiertes Luftvolumen gesammelt wird und die in diesem Luftvolumen enthaltenen Schimmelpilzsporen auf Filtern oder Nährböden abgeschieden werden /9/.

Für die Untersuchung in der Raumluft auf ihren Sporengehalt kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz. Generell unterscheiden sich diese dadurch, dass entweder Sporen auf einem Filter oder durch spezielle Apparaturen direkt auf Nährböden abgeschieden werden. Bei der Sporenkonzentrationsbestimmung mittels Filtration kommt häufig das sogenannte Sartorius-Verfahren zum Einsatz, welches die Sporen auf einem Gelatinefilter von 80 mm Durchmesser sammelt, der danach direkt auf eine Petrischale aufgelegt oder in einer speziellen Flüssigkeit aufgelöst wird.

Andere Verfahren arbeiten mit der direkten Abscheidung der Pilzsporen auf einem Nährmedium. Im klinischen Bereich benutzt man häufig den Reuter-Zentrifugalsammler (RCS, RCS +). Ein segmentierter rechteckiger Nährboden wird dabei um einen rotierenden Sammelkopf herumgelegt, der die angesaugte Luftmenge vertikal auf den Nährboden leitet. Die in der Luft enthaltenen Sporen werden so auf den Nährboden impaktiert. Sammlertypen der Firma Casella und Andersen erhöhen die Geschwindigkeit der von einer Pumpe angesaugten Luftmenge durch einen Schlitz oder feine Düsenöffnungen und impaktieren die Sporen dann auf einem direkt unter den Beschleunigeröffnungen liegenden Nährboden.

Von verschiedenen Sammelverfahren ermittelte Keimzahlen oder Sporenkonzentrationen unterscheiden sich zum Teil erheblich infolge der unterschiedlichen Abscheidungsgrade. Erschwerend kommt hinzu, dass bisher Vergleichsuntersuchungen der auf dem Markt erhältlichen Sammler nur unzureichend vorliegen /10/. Von daher sollte man sich bei vergleichenden Messungen auf ein Sammelverfahren beschränken.

Bei allen Filtrationsverfahren sollen auch kleine Aspergillussporen abgeschieden werden. In diesem Zusammenhang sei nochmals darauf hingewiesen, dass bei Sporenkonzentrationsmessungen ein Außenluftvergleich unerlässlich ist /3/.

Die Messungen bedingen ein hohes Maß an Erfahrung, zum Beispiel bezüglich der Wahl des Luftsammelvolumens und bei der Beachtung der vor Ort angetroffenen Randbedingungen, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen.

2.4.3 MVOC-Messungen

Die Nahrungsaufnahme von Schimmelpilzen erfolgt durch direkte Absorption in die Mycelzellen aus dem Wachstumssubstrat, wobei die zum Wachstum notwendige Energie durch Oxidation organischer Stoffe gewonnen wird. Die in der Regel leichtflüchtigen primären Stoffwechselprodukte werden von den Schimmelpilzen als gasförmige Substanzen in die Umgebungsluft freigesetzt. Daneben erfolgt die Bildung von sekundären Stoffwechselprodukten (Mycotoxine), die zumeist in das Substrat abgegeben werden.

Eine weitere Methode zum Nachweis eines Schimmelpilzbefalls beruht auf der Bestimmung von primären Stoffwechselprodukten der Schimmelpilze, den sogenannten MVOC-Verbindungen (Microbially Volatile Organic Compounds). Von diesen sind viele für Schimmelpilze spezifisch. Sie gleichen in Struktur und Molekulargewicht zum Teil flüchtigen organischen Verbindungen (FOV; englisch: VOC, Volatile Organic Compounds), die unter anderem aus Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen freigesetzt werden können. MVOC kommen in Innenräumen in der Regel in deutlich geringeren Konzentrationen (meist nur 1/10 bis 1/100) vor als VOC.

Substanzen wie Geosmin, 1-Octen-3-ol oder 3-Methylfuran sorgen zum Beispiel für den typischen Schimmelgeruch in der Raumluft. Die Verbindungen können mit neu entwickelten Meßmethoden nachgewiesen werden. Verfahrenstechnisch werden sie zunächst aus der Raumluft adsorbiert und anschließend im Gaschromatografen / Massenspektrometersystem (GC-MS) thermisch desorbiert und dann zur Detektion mit einem massenselektiven Detektor auf die Trennsäule eines Analysesystems aufgegeben /16/.

Aufgrund früherer Untersuchungen, bei denen Penicillium expansum und Aspergillus versicolor monokulturell bestimmt worden sind, können heute einige MVOC-Verbindungen als Indikatoren zur Identifizierung von nicht sichtbarem Schimmelpilzbefall eingesetzt werden /16/.

Eine weitere Differenzierung in Haupt- und Nebenindikatorsubstanzen kann vorgenommen werden. Dabei sind die als Hauptindikatoren bezeichneten Substanzen meist in höheren, weit über der Nachweisgrenze liegenden Konzentrationsbereichen bestimmbar, während bei den Nebenindikatoren oft nur sehr geringe Konzentrationen vorliegen.

Weitere Substanzen wie niedere Alkohole, Aldehyde, Ketone, Aromaten, Terpene und CO2 , werden zwar von Schimmelpilzen als typische Stoffwechselprodukte und teilweise auch in deutlich höheren Mengen als die typischen MVOC produziert, eignen sich aber nicht für das Erkennen eines potentiell vorliegenden Schimmelpilzbefalls, da sie entweder allgegenwärtig vorhanden sind (wie beispielsweise CO2) oder aus anderen Quellen (zum Beispiel aus Baustoffen) in der Umwelt stammen können.

Beim Nachweis von 2-Methyl-1-Propanol, 2-Methyl-1-Butanol und Dimethyldisulfid in der Raumluft kann davon ausgegangen werden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schimmelpilzbefall vorliegt, da diese Verbindungen charakteristische Stoffwechselprodukte für ein Pilzwachstum sind. Eingehende Untersuchungen zur Emission der MVOC in Abhängigkeit von den Wachstumsphasen haben für Aspergillus ver. und Penicillium exp. ergeben, dass in der lag-Phase, der exponentiellen und der stationären Wachstumsphase, überwiegend Alkohole, Aldehyde und Ketone produziert werden, deren Konzentrationen in der Absterbephase abnehmen.

Mit Beginn der Absterbephase werden hauptsächlich Methylisopentylether sowie Dimethyldisulfid und Dimethylsulfid produziert. Dies ermöglicht eine Grobeinschätzung des Befallstadiums.

Trotz der niedrigen Konzentrationen der vorgenannten Stoffe in der Raumluft und den damit verbundenen labortechnischen Schwierigkeiten bei der Quantifizierung können nach dem bisherigen Stand der Erkenntnisse die oben aufgeführten MVOC durchaus als Indikatoren zur Beurteilung für ein potentielles Vorliegen eines Schimmelpilzwachstums dienen. Sie dürfen aber nicht für eine weitergehende Bewertung herangezogen werden, zumal in Veröffentlichungen zu MVOC - Messungen auch Fälle mit einem offen sichtbaren Schimmelpilzbefall beschrieben wurden, bei denen messtechnisch keine Haupt- und Nebenindikatoren ermittelt werden konnten.

Die oft geäußerte Vermutung, dass die mikrobiell produzierten flüchtigen organischen Substanzen eine besondere Toxizität aufweisen und deshalb in dem typischen Konzentrationsbereich von 10- 1000 ng/m³ bereits Befindlichkeitsstörungen hervorrufen können, kann nicht abgeleitet werden /14/. Da aber, wie oben angesprochen, die als Haupt- und Nebenindikatoren eines Schimmelpilzwachstums genannten Stoffe in der Mehrzahl sehr geruchsintensiv selbst im unteren ng/m3-Bereich sind, werden sie oft in belasteten Räumen deutlich wahrgenommen. Daraus resultierende Reaktionen sind nicht auszuschließen und werden bei vorliegenden geruchlichen Auffälligkeiten in Wohn-, Aufenthalts- und Unterrichtsräumen auch häufig beobachtet /12, 13/.

Eine MVOC- Analytik kann zur Ermittlung eines verdeckten Schimmelpilzbefalls beitragen. Allerdings ist im Einzelfall eine Auswertung der Messungen nur bei genauer Kenntnis des Messorts und einschlägiger umweltmedizinisch-toxikologischer Erfahrung möglich.

2.4.4 Materialuntersuchungen

Schimmelpilze aus dem Material zu bestimmen ist umstritten. Derartige Untersuchungen liefern häufig einen hohen Schimmelpilzbesatz, der aber nicht zwangsläufig zu einer Raumluftbelastung führen muss. Einerseits werden bei Anzüchtung aus Materialproben durch reiches Nährstoffangebot und Wechsel des aW-Wertes vom Realmaterial zum Nährboden hin die Pilze zur Sporulation gezüchtet, was aber im Realmaterial gar nicht der Fall sein muss. Dort werden teilweise nur Mycelien gebildet (zum Beispiel durch zu geringe Wasseraktivität des Materiales, "Stockflecken"). Andererseits werden dabei häufig Pilzspezies angezogen, die eine nur geringe Neigung haben, ihre Sporen über die Raumluft zu verbreiten (z.B. Mucorales und einige Fusarienarten). Zwar haben Staubdepots oft eine Bedeutung, wenn es um die Bestimmung älterer Sporendepots geht, z.B. um zurückliegende Belastungen nachzuweisen. Sporen aus diesen Staubdepots werden aber nicht in hohem Umfang in die Raumluft freigesetzt. Deshalb sind solche Staubproben zur Beurteilung einer aktuellen Belastungssituation wenig geeignet.

2.4.5 Andere

Die Keimzahlbestimmung aus der Luft mittels Sporensammlern liefert nur die Zahl der Sporen, die lebensfähig sind und deshalb auf Nährböden anzüchtbar (sog. Viable Messung). Zellwandbestandteile abgestorbener Mikroorganismen enthalten aber auch Proteine, die zu allergenen Reaktionen führen können. Deshalb wird versucht, auch die nicht lebensfähigen Bestandteile von Schimmelpilzen zu sammeln und deren Menge quantitativ zu bestimmen. Rylander hat dazu Messungen des Gehaltes an Beta-1,3-Glucan vorgeschlagen /19,20/. Dieses ist ein Chitinschicht- Bestandteil der Zellwände von Mikropilzen und somit scheint es für eine Bestimmung der nicht anzüchtbaren bzw. nicht lebensfähigen (non-viable) Anteile in der Raumluft geeignet. Der Nachweis erfolgt über den Limulus-Test, einen biologischen Enzymtest. Dieser indiziert aber sowohl die Endotoxine gramnegativer Bakterien wie auch Beta-1,3-Glucan. In Japan wurde der Limulus-Test durch eine Firma verfeinert und reagiert nunmehr sehr spezifisch auf Beta-1,3-Glucan, ohne eine Endotoxin- Querempfindlichkeit zu zeigen.

Ebenfalls vorgeschlagen wird manchmal der sogenannte Ergosterol - Test, um non-viable Kennzahlen zu erhalten. Auch Ergosterol ist ein für Schimmelpilze spezifischer Stoff der Zellwand. Bislang wird er aber aufgrund des hohen Aufwandes zum Nachweis nur in einzelnen Forschungsvorhaben eingesetzt.

Rylander hat vorgeschlagen, den Beta - Glucan - Test zur Bestimmung der Biomasse in der Raumluft einzusetzen und hat auch erste Forschungsergebnisse vorgelegt, die eine Signifikanz zwischen Beta - Glucan - Gehalten der Raumluft und Atemwegsreizungen zu belegen scheinen. Hier ist aber weitere Forschungsarbeit notwendig, um die Aussagekraft dieser Tests weiter zu ermitteln.

Eingesetzt werden derartige Beta-Glucan-Tests, indem die Luft potentiell belasteter Räume mit Schlitzsammlern oder Gebläsen auf klebrige Schichten oder Filter abgeschieden werden, die dann mit dem Limulus-Testverfahren angefärbt werden. Die angefärbten Teilchen werden danach unter dem Mikroskop ausgezählt oder deren Menge fotometrisch bestimmt. Das Ergebnis ist eine Maßzahl für non-viable - Anteile an Schimmelbestandteilen in der Raumluft.

2.5 Schimmelpilz - Prävention

Präventive Maßnahmen

Um einen Schimmelpilzbefall in Innenräumen zu vermeiden, können die im folgenden aufgeführten vorbeugenden Maßnahmen effektiv und hilfreich sein:

  • Neubauten vor dem Bezug austrocknen lassen.
  • In der kalten und feuchten Jahreszeit sollten auch weniger genutzte Räume nicht ganz auskühlen.
  • Optimierung der Lüftungsgewohnheiten (hygienische Querlüftung). Ein wiederholtes Stoßlüften (etwa viermal täglich für 10-15 Minuten) mit weiter Öffnung der Fenster und Türen bei ausgestellter Heizung ist der ständigen Spaltlüftung vorzuziehen, da hierbei die Innenraumluft vollständig ausgetauscht wird.
  • Einrichtungsgegenstände nicht direkt an die Wände stellen, sondern Abstand für die Luftzirkulation lassen.
  • Baumängel beheben (defekte Rohrleitungen, Mauerrisse, Außenputzschäden, Undichtigkeiten von Dächern, vor allem von Flachdächern)
  • Keine Luftbefeuchter benutzen.
  • In Feuchträumen und Küchen Dunstabzug mit Außenanschluss installieren.
  • Abfalleimer, insbesondere aber Sammelbehälter für Bio- und Restmüllabfälle, häufig entleeren und reinigen (Schimmelpilzallergiker sollten den Behälter nicht selbst reinigen).
  • Nach dem Duschen oder Baden das Badezimmer ausreichend lüften.
  • Die relative Luftfeuchte sollte nicht mehr als 55% und die Raumtemperatur nicht über 21° C betragen.
  • Feuchte Schuhe, Kleider, Ledersachen oder ähnliches nicht in Schränken lagern.
  • Keine dichten, raumhohen Vorhänge in Fenster- und Eckbereichen (Wärmebrücken) beziehungsweise in Bereichen mit unzureichender Luftzirkulation verwenden.
  • Bäder sollten möglichst mit Fensterlüftung ausgestattet sein oder einen ausreichend dimensionierten Ventilator mit Nachlauffunktion besitzen.
  • Bei Renovierungsarbeiten Materialien auswählen, die als Feuchtepuffer dienen können. So ist beispielsweise das Speichervermögen eines offenporigen Kalkputzes gegenüber Feuchte wesentlich größer als das von Dispersionsanstrichen.

2.6 Sanierungsmaßnahmen bei Schimmelbefall

Es sollte beachtet werden, dass Sanierungsmaßnahmen nicht von Personen durchzuführen sind, die an einer Schimmelpilzallergie leiden. Dies gilt auch für den Aufenthalt während der Sanierung im Innenraum.

Zunächst sind die Ursachen, die zu dem Schimmelpilzbefall geführt haben, abzustellen. Im weiteren Verlauf kann mit der eigentlichen Sanierung der betroffenen Flächen begonnen werden. Offene Befallstellen sind dazu mechanisch zu beseitigen, vor allem die Konidienträger der Pilze müssen entfernt werden, um die Sporenkonzentration in der Raumluft rasch zu senken. Einer Neubildung von Konidienträgern kann durch Trocknung der Wandflächen, zum Beispiel mit Hilfe hierfür geeigneter Kondensationstrockner, die den Wasserverfügbarkeitswert der Wandoberfläche senken, vorgebeugt werden. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass durchfeuchtete Bauteile in jedem Fall vollständig zu trocknen und auch trocken zu halten sind.

Der Einsatz von Fungiziden oder fungistatisch wirksamen Mitteln beziehungsweise von Substanzen, wie Essigessenz, Isopropanol, Salmiak- und Hypochloritlösung, kann als Akutmaßnahme erfolgen, wenn sich eine Feuchtigkeitsbildung, auch durch Sanierung von Bauschäden oder Änderung der Wohngewohnheiten, nicht gleich ganz beseitigen lässt. Der Einsatz von Mitteln zur Schimmelbekämpfung ist aufgrund möglicher humantoxischer Wirkungen sorgfältig zu überlegen. Die jeweilige Gebrauchsanleitung ist unbedingt zu beachten.

Die weithin verbreitete Ansicht, dass Pilzbefallstellen generell durch Abklopfen der Putzsubstanz bis zum Mauerwerk saniert werden müssen, ist nicht aufrecht zu halten. Bei vollständigem Entzug der Wachstumsbedingungen ist eine weitere Mycelbildung oder Neubildung von Konidienträgern ausgeschlossen. Sobald geeignete Wachstumsbedingungen nicht mehr vorliegen, wird der Pilz sich in ein inaktives Stadium zurückziehen und sein Wachstum einstellen, bevor er gänzlich austrocknet und abstirbt. Eine Beeinträchtigung der Bausubstanz durch verbleibende Schimmelpilzmycele oder einer Gesundheitsgefährdung ist den Verfassern nicht bekannt. Es hat sich allerdings bewährt, durch das Aufbringen von Tiefengrund auf die Wandfläche, rasch allergene Pilzbestandteile oder Sporen fest zu binden und dadurch der inhalativen Exposition zu entziehen.

Bei Hölzern wird zur Beseitigung des Schimmelpilzbefalls das gründliche Scheuern, Abspülen und Trocknen der Oberflächen angesehen /17/. Mit Schimmelpilzen bewachsene Silikonfugen sind vollständig zu entfernen und mit einem geeignetem dauerelastischem Fugenmaterial wieder aufzufüllen /18/.

3 Milben

Milben und Schimmelpilze stellen die Hauptgruppe der Organismen im Hausstaub dar. Milben sind der zweithäufigste Auslöser von Sensibilisierungen und Allergien nach den Pollen. Milben (Acari) gehören zu den Spinnentieren. Dabei gehören circa 80% der Familie Pyrogliyphidae an. In Mitteleuropa ist die Art Dermatophagoides pteronyssimus am weitesten verbreitet. Der bevorzugte Aufenthaltsort der Hausstaubmilben ist das Bett und dessen Umgebung, da dort die idealen Lebensbedingungen herrschen. Bei besonders (un-)günstigen Bedingungen können bis zu 1.000 Milben in einem Gramm Staub vorkommen. Hausstaubmilben gedeihen im Bettzeug und den Matratzen, aber auch in Teppichböden, Polstermöbeln, Stofftieren und auf Zimmerpflanzen. Milben  unterhalten die allergischen Symptome durch die ständige Allergenpräsenz.

Bei einem Milben- bzw. Schimmelpilzallergiker ist eine symptombezogene medikamentöse Therapie indiziert. Die spezifische Immunbehandlung (Hyposensibilisierung) wird empfohlen, wenn die entsprechenden Allergene als Auslöser der Beschwerden durch Haut- und Provokationsteste festgestellt wurden. Wie bei allen Allergien hat aber auch bei den Hausstaubmilben die Allergenkarenz absolute Priorität, Maßnahmen zur Milieusanierung ("environmental control") sind indiziert.

3.1 Ökologie der Hausstaubmilben

Moderne Heizsysteme, die Mehrfachverglasung der Fenster, energiesparende Wohnräume mit geringem Luftaustausch und unser Bedürfnis, häufiger bzw. täglich zu duschen führen zu einer Luftfeuchteansammlung und einer gleichbleibende Wärme, d.h. zu einem "milbenfreundlichen Wohnklima". Verstärkt wird dies noch durch die zunehmende Haustierhaltung und die Ausstattung der Wohnungen mit vielen Teppichen/Teppichböden und Polstermöbeln.

Hausstaub aus textilen Gegenständen wie Matratzen, Kleidung und Polstergarnituren enthält neben organischen und anorganischen Materialien, als wesentlichen Anteil menschliche Hautschuppen, die täglich in einer Menge von etwa 1g pro Person abgegeben werden Bei Untersuchungen brasilianischer Kinder wurde festgestellt, dass 1g ihres Kopfstaubes (nach vorheriger Wäsche) durchschnittlich 800 Milben enthielt.

Die Hausstaubmilben ernähren sich vorwiegend von Hautschuppen aber auch von Schimmelpilzen. Sie können fetthaltige Epithelien nicht direkt verdauen. Bei der Ernährung sind sie deshalb auf die Symbiose mit bestimmten Arten von Schimmelpilzen angewiesen. Diese bewerkstelligen eine Vorverdauung der fetthaltigen und keratinösen Hautschuppen. Erst dann können die Milben die angedaute Hautschuppe verwerten.

Da Milben nicht trinken können, sind sie auf eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Das ist in unseren Breiten und in den gut isolierten, aber häufig schlecht gelüfteten Wohnungen kein Problem. Das Wachstumsoptimum liegt bei 20° C und ca. 80 % Luftfeuchtigkeit.

3.2 Milben und deren Ausscheidungen - Allergene Bedeutung

Milbenbestandteile können als Allergene sensibilisierend wirken. Die Hauptallergene der Milben sind jedoch im Kot der Tiere enthalten. Die Kotballen besitzen eine Größe von etwa 10-40µm. Durch die Bewegungen des Schläfers werden die Kotballen in kleinere Fraktionen zerrieben und können nach dem Austrocknen als Feinstaub in die Luft gelangen. Somit erfolgt eine partikelgebundene Allergenverteilung in den ganzen Schlafbereich. Zur Größenverteilung des allergenen Staubes liegen nur wenige, aber uneinheitliche Untersuchungsergebnisse vor. Man geht davon aus, dass im wesentlichen Partikel vorliegen, die eine Größe von mehr als 1µm aufweisen.

3.3 Milbenallergenvermeidung durch Encasings

Hausstaubmilben siedeln in verschiedenen Bettbereichen. Kopfkissen und Bettdecke sind einer geeigneten Pflegemaßnahme (Maschinenwäsche bei 60°C bis 95°C über eine Stunde) zugänglich. Dies führt zu einer Abtötung der Milben und zu einer Allergenausschwemmung über den Waschvorgang. Matratzen können aber aufgrund ihrer Größe nicht regelmäßig einer Maschinenwäsche zugeführt werden.

Um eine Milbenkarenz im Schlafbereich durchzuführen, ist eine Barriere um das System Matratze erforderlich, die gewährleistet, dass zum einen Hautteilchen und Milben nicht in das Innere der Matratze gelangen können. Dies kann wirkungsvoll eine Besiedelung einer neuen Matratze verhindern. Andererseits sollen Milben, Milbenbestandteile oder deren Ausscheidungen und vor allem Milbenallergene nicht aus der Matratze in den Bereich des Schläfers sowie in seine Umgebung gelangen. Eine derartige Barrierefunktion könnte am besten durch eine dichte Folie um die Matratze gewährleistet werden. Dem Material fehlt allerdings jegliches Bett-physiologisches Verhalten, wie Schlafkomfort, Geräuscharmut oder Wasserdampfdurchlässigkeit. Demzufolge werden eine Vielzahl von anderen Materialien und Produkten verschiedener Hersteller als Encasings für Milbenallergiker angeboten. Die Palette reicht von "Billigüberzügen", die Kaffeeröster im Angebot führen, über Materialien aus dem Textil- und Inkontinenzbereich bis zu Encasings, die mit umfangreichen aber bisher nicht einheitlichen oder standardisierten Tests untersucht und beworben werden.

Im weitesten Sinne handelt es sich um fein gewebte Textilien und Kunststoff-beschichtete Fasern und Gewebe. Sie werden jedoch in ihrer unterschiedlichen technischen Ausstattung und Konfektionierung meist nicht jeder Anforderung ausreichend gerecht. Derzeit fehlen einheitliche Test- und Beurteilungskriterien für die Qualitätsanforderungen an Encasings. Bisherige Ansätze der Beprobung mit Stäuben und Partikeln und Messungen zur Partikeldurchlässigkeit sind noch unzureichend.

Wichtig ist es vor allem, den Schlafbereich so milbenfrei wie möglich zu bekommen. Dazu sind als weitere Maßnahmen geeignet:

  • Schlafbereich nicht mit Teppichboden auszurüsten
  • Schlafbereich nur mässig heizen; um optimale Wachstumbedingungen zu unterbinden
  • Schlafbereiche nicht für andere Aktivitäten benutzen
  • keine Tiere in den Schlafbereich lassen
  • Bettwäsche regelmäßig möglichst heiß waschen (60-95°C)
  • mit genügender Lüftung die Luftfeuchtigkeit in der ganzen Wohnung reduzieren (unter 50%)
  • Staubfänger (offene Bücherregale, Vorhänge usw.) im Schlafzimmer und in der gesamten Wohnung vermeiden
  • keine Klimaanlagen oder Luftbefeuchter im Schlafbereich einsetzen
  • Staubsaugen einer nichtallergischen Person überlassen
  • bei Kindern sind auch deren Kuscheltiere zu berücksichtigen, mit denen sie unmittelbaren Kontakt haben; durch Lagerung im Tiefkühlfach lassen sich die Milben zumindest abtöten, das Allergen muss aber noch durch Waschen entfernt werden.

4 Tierepithelien

Schätzungen gehen davon aus, dass jeder fünfte Allergiker auf Tiere reagiert. Die vorliegenden  Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg in den letzten Jahren. Die Zunahme ist wahrscheinlich durch eine gesteigerte Haustierhaltung bedingt, die mit in der Wohnung leben. Die Allergie wird dabei nicht durch die Tierhaare ausgelöst, sondern durch Hautschuppen, Absonderungen der Talgdrüsen und durch Substanzen im Speichel und Kot der Tiere.

Die bedeutensten Allergiequellen bei den Tieren sind Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Goldhamster. Hunde scheinen dagegen ein geringeres allergenes Potential zu besitzen. Aber auch Vögel können Allergien auslösen; hier sind Federn und Kot die Hauptallergenträger. Gegen "nackte " Tiere wie Reptilien und Fische bestehen dahingegen kaum Allergien. Bei Vogelallergien kommt es weniger zu Sofortreaktionen der Atemwege, dafür aber zu auftretenden Spätreaktionen, die bis hin zu einer Lungenentzündung führen können. Bei wiederholtem Kontakt kann es neben grippeähnlichen Symptomen auch zu Beschwerden wie Kreuzschmerzen, Schwitzen und Gewichtsverlust kommen. Diese Krankheit ist ebenfalls eine Allergie und wird als "Wellensittichhalter- Lunge" bezeichnet.

Die wirkungsvollste Allergenbekämpfung ist dabei die Expositionskarenz und - damit verbunden - die Weggabe des Tieres. Ein erhöhtes Maß an Pflegeaufwand ist zur Bekämpfung der Allergenquelle ungeeignet, da auch bei regelmäßigem Waschen noch signifikante Allergenmengen freigesetzt werden können.

Bei Katzenallergenen ist eine kurzfristige Allergenkarenz ohnehin nicht durchführbar. Das Hauptallergen ist im Speichel enthalten und wird durch das Lecken des Fells als dünne Schicht auf die Tierhaare aufgebracht. Die durch Bewegung aus dem Fell abfallenden Speichelreste sind in von Katzen bewohnten Wohnungen noch lange nach Abschaffung des Tieres nachzuweisen und diese Belastung trägt sich nur sehr langsam aus.

4.1 Nachweis von Milben- und Tierepithelien

Zum Nachweis der Allergenbelastung werden in der Zwischenzeit fertige Testsets angeboten, die quantitative Aussagen zur Allergenbelastung im Hausstaub erlauben. Diese Tests führen den Nachweis der Allergenmenge über eine Reaktion der entnommenen Staubprobe mit monoklonalen Antikörpern.

Die Menge an Milben kann auch indirekt über den Guaningehalt des Milbenkotes nachgewiesen werden. Derartige Testsets sind in der Apotheke erhältlich und für einen überschlägigen Nachweis, ob eine erhöhte Belastung vorliegt, gut geeignet.

Alternativ kann eine Messung durch Adsorption von Raumluft auf Filtern oder eine Staubanalyse erfolgen. Schwierig ist dabei aber die Beurteilung der dabei ermittelten Messwerte.

5 Weitere Allergenquellen

Pflanzen sind ebenfalls als Allergenträger bekannt. Hier sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - z.B. Ficus benjamini, Primeln und Gräser zu nennen. Ein ungenügender Pflegezustand von Zimmerpflanzen begünstigt ein Schimmelwachstum insbesondere auf der feuchten und nährstoffreichen Topferde. Diese Ursache ist häufig anzutreffen. Gerade im Blumentopf herrschen häufig ideale Lebensbedingungen für Schimmelpilze. Die Wachstumsvoraussetzungen Nährstoffangebot, Feuchte mit aW-Werten zwischen 0,75 und 0,95 sowie geeignete pH-Werte liegen dort vor. Die Temperaturen im mesophilen Bereich oder teilweise auch im thermotoleranten Bereich (sonnenbeschienenes Fenster oder unter der Fensterbank liegende Heizkörper) führen dabei zum Wachstum unterschiedlicher Schimmelpilze. Insbesondere höhere Temperaturen und erniedrigte Feuchtengehalte bedingen dabei das Wachstum xerophiler Aspergillusarten wie z.B. Aspergillus versicolor. Ein Eliminationsversuch sollte bei Auftreten oder dem Verdacht auf allergene Beschwerden, die von Pflanzen ausgehen, einer intensiven Suche nach weiteren Befallstellen vorausgehen.

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