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Styrolexposition bei Arbeitern im kunststoffverarbeitenden Gewerbe

Styrolbelastungen - MAK-Wert meist nicht eingehalten

Nur in 2 von 13 untersuchten Betrieben wurde der MAK-Wert für Styrol eingehalten. Dieses bedenkliche Ergebnis erbrachte eine Untersuchung der hessischen Arbeitsschutzbehörden. In vielen der Kunststoff verarbeitenden kleineren Betriebe werden die technischen und organisatorischen Arbeitsschutzmöglichkeiten für Styrol nicht genutzt.

Es ist allgemein bekannt, dass Kunststoff verarbeitende Betriebe, die styrolhaltige Reaktionsharze verarbeiten, sich schwer tun, den MAK-Wert für Styrol einzuhalten. Das hat z.B. im vergangenen Jahr eine Bremer Untersuchung klar gezeigt (vgl. Arbeit & Ökologie-Briefe 22/1999, Seite 4). Nun wurde dieses Problem in einer hessenweiten Schwerpunktaktion der staatlichen Arbeitsschutzbehörden ebenfalls untersucht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin" (ASU, Heft 7/2000) ausführlich vorgestellt.

Styrol ist eine gesundheitsschädliche Flüssigkeit, deren Dämpfe unangenehm riechen. Styrol fungiert zum einen als Lösemittel, zum anderen auch als chemisch reaktionsfähiger Vernetzer, der dem Material Härte und Beständigkeit verleiht. Styrol wird z.B. häufig im Boots- und Karosseriebau verwendet sowie überall dort, wo Teile aus Kunstharz gefertigt werden. Der MAK-Wert für Styrol wurde 1987 von bis dato 100 ppm (parts per million) auf 20 ppm gesenkt (entspricht 85 Milligramm pro Kubikmeter) und danach so in die TRGS 900 übernommen. Schon damals zeigte sich, dass viele Betrieb Schwierigkeiten hatten, diesen neuen Grenzwert einzuhalten. Es gab vorübergehend Ausnahmegenehmigungen, die aber Ende 1995 ausgelaufen sind.

Styrol wird überwiegend über die Atemwege aufgenommen. Es kann Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems (Neurotoxizität) sowie Reizerscheinungen der oberen Atemwege verursachen. Erhöhte Krebsrisiken, z.B. für Lunge, Leber oder das blutbildende System, werden vermutet, sind aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen.

In der Studie wurden 182 Beschäftigte in 13 Kunststoff verarbeitenden Betrieben untersucht, davon 15 Frauen und 167 Männer (Urin- und teilweise auch Blutproben). Die Untersuchten verrichteten Handlaminier-, Wickel- und Gelcoatierarbeiten, teilweise auch Heißpressarbeiten und Polyester-Gießarbeiten.

Für 100 Beschäftigte konnten Schichtmittelwerte entsprechend den Mindestanforderungen der TRGS 402 ermittelt werden. Die gemessenen minimalen Raumluftkonzentrationen lagen bei 4,2 mg/m3, die maximalen bei 321 mg/m3. Der Medianwert betrug 50 mg/m3. 31% der Schichtmittelwerte überschritten den MAK-Wert. Nur in 2 der untersuchten 13 Betriebe lagen alle Schichtmittelwerte unterhalb des MAK-Werts. In allen anderen Betrieben wurden für einen oder mehrere Beschäftigte z.T. erheblich Überschreitungen des MAK-Wertes ermittelt. Zwischen der Raumluftbelastung und den im Biomonitoring ermittelten Werten bestanden signifikante Zusammenhänge.

Die Beschäftigten sind somit teilweise stark belastet. Die Autoren der Studie sprechen selbst von einer z.T. erheblichen Styolexposition der Beschäftigten in Kunststoff verarbeitenden Betrieben. Die Grenzwertüberschreitungen wurden sowohl bei handwerklichen Arbeitsverfahren als auch bei teilmechanisierten Verfahren festgestellt. Eine gesundheitliche Überwachung war in diesen Betrieben demnach nicht möglich gewesen. §19 der Gefahrstoffverordnung schreibt bei solchen Überschreitungen des MAK-Wertes (auch wenn die BAT-Werte eingehalten sind) Sanierungsmaßnahmen vor.

Die Autoren der Studie schlagen vor, zu prüfen, ob alle möglichen technischen oder organisatorischen Schutzmaßnahmen umgesetzt waren. Entsprechende Hinweise gibt das Merkblatt "Styrol" der Berufsgenossenschaft Chemie. Eine dieser Maßnahmen wäre z.B. das Entfernen offenstehender Behälter oder herumliegender gebrauchter Arbeitsgeräte. Durch unachtsames Verhalten dieser Art wurde nämlich bereits die Grundbelastung mit Styrol unnötig erhöht. Gleichzeitige Reinigungsarbeiten mit anderen Lösemitteln wirkten ebenfalls zusätzlich belastend. Die Autoren verweisen weiterhin auf persönliche Schutzausrüstungen wie Gebläse unterstützte Atemschutzhauben. Diese dürfen allerdings nicht ständig getragen werden.

Weitere Informationen:
Ulrich Bolm-Audorff u.a.: Styrolbelastung von Beschäftigten in der Polyesterharz verarbeitenden Industrie,
in: ASU, Heft 7/2000, S. 312-315.

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